Anne Frank Tagebuch im Unterricht
 


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Hannah Elisabeth Pick, geb. Goslar: Mein Großvater Alfred Klee. Einblicke und Erinnerungen
 

1941 in Amsterdam: Hannah und ihr Großvater Alfred Klee

         Schulzeit, Ideale, Jugend- und Visionen

Mein Großvater Alfred Klee wurde am 25. Januar 1875 in Berlin geboren. Der Umstand, dass er das einzige Kind blieb, mag das Verhältnis zwischen Eltern und dem Kind besonders innig gestaltet haben. Von einer Verzärtelung war jedoch nicht die Rede.Der ernste strenge Vater Moritz Klee handelte mit der Einstellung, wer sein Kind lieb hat, der züchtigt es

Vorgebildet auf dem Realgymnasium in Halberstadt hatte er sich durch unermüdlichen Fleiß aus kleinen Verhältnissen zum erfolgreichen Fabrikbesitzer hoch gearbeitet und dabei die Schule des Lebens früh kennen gelernt. Sein hervorstechendster Charakterzug war neben treuester Pflichterfüllung seine große Wahrheitsliebe und ein unbeugsames Rechtsgefühl. Das brachte er auch seinen Mitarbeitern gegenüber zum Ausdruck, was ihn beliebt machte.

Nichts konnte ihn mehr betrüben als eine Lüge, und so blieb dem Jungen der vorwurfsvolle Blick seines Vaters nach einer ertappten Unwahrheit unvergessen: Es war am 24. Januar 1884, als der kleiner Sextaner Alfred Klee eine Stunde Arrest wegen irgend einer Ungezogenheit bekommen sollte. Aus Angst vor Schelte bat er seinen Ordinarius, ihm doch die Strafe zu erlassen, da gerade heute sein Geburtstag sei. Der gutmütige Lehrer ging auch darauf ein, aber die Lüge hatte natürlich kurze Beine und der Schüler die Gelegenheit, nähere Bekanntschaft eines Instruments zu machen, dessen eigentlicher Zweck die Reinigung von Teppichen und Garderobestücken vorbehalten war.

Ernst und Strenge ließen den Vater Klee aber nie hart werden. So wie er seinen Arbeitern ein zuverlässiger Berater war, stand er auch immer für seine Familie ein. Die Mutter Eugenie Klee galt als der Sonnenschein des Hauses. Mein Großvater betrachtete seine Mutter im wahrsten Sinne als eine Mitarbeiterin des Vaters. Strahlte sie von ihrem Wesen so viel Liebreiz, so viel reine Herzensgüte aus, dass sie das Haus in einen Tempel umzuwandeln verstand, in dem sie als Priesterin ihres Amtes waltete.–Mit einer wahren Anbetung hing ich an meiner Mutter. Und ich bin der festen Überzeugung, dass die Erinnerung an diese hehre Frauengestalt mit ihrem liebevollen und tief religiösen Wesen ein Talisman sein wird, der mir in der Stunde der Versuchung zur Seite steht.

Die besondere Fürsorge der Mutter Eugenie richtete sich außerdem auf das Elend in greifbarer Nähe. Sie scheute sich nicht, die Armenviertel zu betreten, in denen das Proletariat ein menschenunwürdiges Dasein fristete. Doch niemals sprach sie von dem was sie tat. Das Sprichwort  liebe deinen Nächsten wie dich selbst  ist der Mutter zur zweiten Natur geworden.

Als Alfred Klee 11 Jahre alt war, starb sein Vater Moritz an einem langen Lungenleiden in Falkenstein/Taunus. Er hatte lange vergeblich im milden Klima Italiens auf Heilung gehofft. Am 23. August 1887, kaum ein Jahr später, folgte ihm seine Ehefrau Eugenie. Zum Trauma wurde es für den zwölfjährigen Alfred, nachts an der Hand des Großvaters an das Bett seiner sterbenden Mutter treten zu müssen. Die Großeltern nahmen sich nach ihrem Tod des Jungen an und kümmerten sich fortan liebevoll um ihn. Noch später erinnerte sich Alfred Klee dankbar an seine Großeltern: Was sie in meiner Jugend an mir getan, waren sie in jeder Hinsicht aufs Beste bemüht, mir die Eltern zu ersetzen, und wenn Eltern überhaupt zu ersetzen sind, so ist es ihnen wahrlich gelungen.

Leider verlor Alfred Klee auch seinen Großvater früh, er starb in Wiesbaden an den Folgen eines Schlaganfalls. Die Großmutter zog nach dem Tod ihres Mannes zu der ihr noch verbliebenen Tochter nach Frankfurt/Oder. Obgleich es Alfred frei gestellt wurde, in Berlin die Schule weiter zu besuchen, zog er es vor, im Frühjahr 1892 nach Frankfurt/Oder zur geliebten Großmutter zu ziehen.

Da mein Großvater Alfred Klee schon als Kind fast nur mit Erwachsenen zu tun und außerdem zeitig die Eltern verloren hatte, wurde er früh selbstständig. Das tat aber keineswegs dem Kindlichen Abbruch: Alfred war ein wilder Junge der gern spielte, wozu die weiten Räume der väterlichen Fabrik und der Hof einluden. Daneben zeigte sich bald sein Hang zur ernsten Lektüre. Nach überstandener „Lederstrumpf- und Robinson-Crusoe-Phase“ gab es für den neun- bis zehnjährigen fantasievollen Jungen kein größeres Vergnügen, als sich mit preußischer und deutscher Geschichte sowie griechischer Mythologie zu beschäftigen. Für die Griechen empfand er allerdings eine größere Vorliebe als für die Lateiner. Das Zeitalter des Perikles erschien ihm von einem so gewaltigen Einfluss auf die Weltkultur, und seiner Meinung nach war keine Epoche der römischen Geschichte damit vergleichbar. Mein Großvater befand: Ich vermisste bei den römischen Schriftstellern das Originelle, mit Ausnahme allerdings des Tacitus’, den ich gern las und wegen seines lapidaren Stils bewunderte. Vergil erschien mir matt im Vergleich zu Homer. Für Ovid fehlte mir das rechte Verständnis, das erforderlich ist, um ihn gebührend zu schätzen. 

Die Schulzeit meines Großvaters vollzog sich von Herbst 1881 bis Ostern 1886 in unterschiedlichen Berliner Gymnasien. Bis zur Übersiedlung nach Frankfurt/Oder besuchte er das Luisengymnasium in Berlin-Moabit. Den Neigungen seiner Kinderjahre (Geschichte und deutsche Literatur) blieb er treu. Noch später erinnerte er sich dankbar an seinen Deutschlehrer, der ihm die alt- und mitteldeutsche Literatur nahe gebracht hatte. Aber er liebte auch die Klassiker. Über Goethe und Schiller mochte mein Großvater nicht ohne Weiteres diskutieren. Er meinte, dass ohne Begeisterung für Goethe und Schiller die geistige Reife eines Schülers unerreicht bleibt, wenn das Gymnasium seinen Auftrag nicht entsprechend erfüllt.Bedeutung und Wert des klassischen Unterrichts hatte mein Großvater in jeder Beziehung verinnerlicht: Gerade dadurch, dass uns neben den verwickelten modernen Verhältnissen auch die einfachen alten vorgeführt und wir den Entwicklungsgang der Menschheit von den Tagen Homers und der Bibel bis auf unsere Zeit mit durchmachen, lernen wir moderne Zustände begreifen, wie sie sich herausgebildet haben. Wir lernen einsehen, dass nirgends Großes geschaffen, dass alles Bedeutende seine Zeit braucht, um bedeutend zu werden und nur das historisch Begründete sein Recht hat. Auch das Hebräische, das ich betrieb und weiter betreiben werde, interessierte mich sehr, obwohl es allerdings auch hier mehr der Inhalt des Gelesenen war als die rein formale Seite, mit der ich mich eingehend beschäftigte. War doch das Hebräische für mich nicht nur die Sprache der Bibel, in der der Herr von Sinai redet. Es ist zum Teil noch heute die Sprache des Bekennerstammes, dessen Mitglied zu sein stets der Stolz meiner Familie war.– 

Nie unterschätzte mein Großvater den Wert des Französischen als moderne Weltsprache. Er bedauerte es, von den eigentlich klassischen französischen Werken lediglich einige übersetzte Dramen kennen gelernt zu haben.Alfred Klee schrieb gern Aufsätze und arbeitete seine eigenen Gedankengänge aus. Oft bat er nach größeren Reisen seine Freunde, an sie gerichtete Briefe zurückzugeben. Er fand es wichtig, auch hierin Fortschritte in seiner geistigen Entwicklung konstatieren zu können. Den Unterricht des Gymnasiums ergänzte er eigenständig durch historische oder philosophische Lektüre. –Philosophische Betrachtungen mit einem stark ausgeprägten religiösen Bewusstsein wiesen ihm schließlich den Weg zur Theologie. Einen großen Einfluss darauf nahm der Rabbiner der Jüdischen Gemeinde Berlin Dr. Rosenzweig. Alfred Klee besuchte seine Predigten so oft es ihm möglich war. Den Religionsunterricht absolvierte er privat, obgleich dieser nicht ausschließlich orthodox, so aber sicher doch ziemlich konservativ vermittelt wurde. Noch später hielt mein Großvater an seinen Anschauungen auf das historisch-positive Judentum fest, obgleich er im Laufe der Zeit einen etwas liberaleren Standpunkt einnahm. Dennoch ist er seinem Lieblingswunsch Rabbiner zu werden nicht nachgekommen. Er strebte eine unabhängige Position an, um seine Ideale verwirklichen zu können. So entschloss sich Alfred Klee, Medizin zu studieren. Er wollte dabei einerseits dem Wunsch seiner früh verstorbenen Eltern nachkommen, andererseits seinen eigenen Neigungen. In der Praxis des Arztes sah er theoretisches Studium und praktisches Wirken miteinander vereinbar.

Ob mein Großvater Alfred Klee wirklich ein Medizinstudium aufgenommen hat, ist mir allerdings nicht bekannt.

Werdegang und Wirken, Familie

Mein Großvater Alfred Klee arbeitete nach dem Studium der Rechtswissenschaften als erfolgreicher Rechtsanwalt und bekannter Strafverteidiger in Berlin und Bonn. Er schloss sich schon in Jugendjahren der zionistischen Bewegung an. Er wurde später als Zionistenführer in der zionistischen Bewegung in Deutschland aktiv und ab 1899 Mitglied des Großen Aktionskomitees.

1899 heiratete Alfred Klee Therese Stargard (geb. 1877 in Schwerin/Mecklenburg). Der Ehe entstammten die Kinder Eugenie Esther (1) (geboren am 17. Mai 1900 in Berlin), meine Mutter Ruth Judith (geboren am 23. Oktober 1901 in Bonn) und Hans (geboren am 3. November 1906 in Berlin).

Mein Großvater engagierte sich in der Jüdischen Gemeinde zu Berlin (Mitglied der Repräsentantenversammlung seit 1920) und setzte sich für die Ostjuden ein.

Ab 1914 wirkte er als Vorsitzender der Zionistischen Vereinigung für Deutschland und gehörte seit 1933 zur Reichsvertretung der Deutschen Juden. 1931 band man ihn in den Prozess um die Verleumdungsschrift des Grafen Reventlow über Die Weisen von Zion ein. Der überzeugte Zionist Alfred Klee galt als charismatischer Rhetoriker, außerdem zählte er zum engeren Freundeskreis Herzls, Nordaus und Wolffsohns.

Shoa

Nach der Reichspogromnacht am 9. November 1938 beschloss mein Großvater Alfred Klee zu emigrieren. Als er sich gerade in Hamburg aufhielt, um einen Vortrag zum Thema  Ideen vom Zionismus  zu halten, warnte ihn sein Sohn Hans von Berlin aus in einem verschlüsselten Telefonat vor anstehenden Verfolgungen durch die Nazis: Guck mal, du hast deine Enkeltochter Hannah, die hat Geburtstag, und sie würde sich enorm freuen, wenn du ihr persönlich gratulierst.— Die Enkeltochter war ich, und ich habe am 12. November Geburtstag. Aber ich lebte in den Niederlanden! —— Ich bin am 12. November 1928 in Berlin geboren.

Meine Eltern Ruth Judith und Hans Goslar flohen schon 1933 mit mir vor den Nazis in die Niederlande nach Amsterdam.Hier lernte ich sofort zwei weitere Emigranten-Mädchen meines Alters kennen: Anne Frank, sie war kurz vorher mit ihren Eltern und Schwester Margot aus Frankfurt am Main eingetroffen, ferner Susanne Ledermann, die mit ihren Eltern und Schwester Barbara wie ich aus Berlin kam. Wir wohnten dicht beieinander, gingen zusammen zur Schule und wurden schnell unzertrennlich.

Großvater Klee begriff also die gefährliche Lage und reiste unverzüglich zu uns nach Amsterdam. Als Rechtsanwalt konnte er ohnehin in Deutschland nicht mehr arbeiten, denn jüdische Rechtsanwälte standen seit dem 27. September 1938 unter Berufsverbot. Meine Eltern nahmen ihn sofort auf. Bald darauf folgten Großmutter Therese Klee und Onkel Hans. Die Großeltern Klee wohnten später in unserer unmittelbaren Nachbarschaft, mein Onkel Hans reiste weiter in die Schweiz nach Basel. Wir blieben bis zum Einmarsch der Deutschen Wehrmacht am 10. Mai 1940 unbehelligt.

Am 25. Oktober 1940 kam in Amsterdam meine Schwester Rachel (Gabriele) zur Welt. Am 27. Oktober 1942 starb meine Mutter Ruth während der Geburt des dritten Kindes. Es war tot geboren.

Die Großeltern, mein Vater, Rachel und ich erlagen in Amsterdam am 20. Juni 1943 einer Großrazzia der Deutschen. Sie deportierten uns zunächst in das Durchgangslager Westerbork, wo mein Großvater im November 1943 an einem Herzanfall starb. Danach sind Großmutter Therese, mein Vater und wir Kinder in das deutsche Konzentrationslager Bergen-Belsen (Austauschlager) gekommen. Mein Vater Hans Goslar ist dort am 25. Februar 1945 an den Folgen der KZ-Haft gestorben.

Meine Großmutter hätte uns wahrscheinlich durch einen Austausch viel mehr helfen können, denn Jüngere, wie z. B. mein Vater, meine Schwester und ich, standen nicht auf der Liste. Als es für Therese Klee wirklich einmal eine Gelegenheit zum Austausch gab, suchte sie einen SS-Mann auf und sagte zu ihm: Ich kann nicht von hier weggehen, mein Schwiegersohn ist sehr krank. —- So blieb meine Großmutter Therese in Bergen-Belsen und starb am 25. März 1945.

Anfang April 1945 schickten die Nazis von Bergen-Belsen drei Deportationszüge mit jeweils 2500 Häftlingen zur Vernichtung nach Theresienstadt. Der letzte dieser drei Züge verließ Bergen-Belsen am 10. April 1945, darunter meine vierjährige Schwester und ich Fünfzehnjährige. Wegen der vorrückenden Front irrte der Todeszug mit uns dreizehn Tage ziellos durch Deutschland. Am 23. April 1945 befreite uns die Rote Armee bei Tröbitz, einem Dorf in der Niederlausitz. Eine Vielzahl von Häftlingen erlebte diesen Augenblick nicht mehr.

Meine Schwester Rachel und ich haben als einzige aus unserer Familie überlebt

Textbeitrag von ©Heide Kramer, Hannover, Februar 2010.

(1) Esther Eugenie Rawidowicz, geb. Klee. Ihr Sohn Benjamin Ravid ist Hannah Picks Cousin. Er lebt gegenwärtig in Boston, USA. Esther Eugenie Rawidowicz emigrierte 1939 nach London.1) Esther Eugenie Rawidowicz, geb. Klee. Ihr Sohn Benjamin Ravid ist Hannah Picks Cousin. Professor Benjamin Ravid lebt gegenwärtig in Boston, USA. Er lehrt an der Brandeis University in Boston   http://www.brandeis.edu/facguide/person.html?emplid=19a9ec662427d348c1def46c8946c3a2bee36118

Quellen:


©Auszüge aus dem von Alfred Klee mit der Schreibmaschine verfassten Dokument (undatierte Kopie): “Vita – Alfred Klee“. Zitate (kursiv): Entnommen der „Vita – Alfred Klee“.
Mit freundlicher Genehmigung von ©Frau Hannah Pick, Jerusalem/Israel.
Fotografien: Mit freundlicher Genehmigung von ©Frau Hannah Pick, Jerusalem/Israel.
©Dokument “Brill’s Series in Jewish Studies…”: Mit freundlicher Genehmigung von Prof. Benjamin Ravid, Boston, USA.


©Wikipeda: „Alfred Klee“. 
©Wikipeda: „Das Luisengymnasium in Berlin“. 

  

 

Siehe auch:

http://antifa.sfa.over-blog.com/article-mein-gro-vater-alfred-klee-43968198.html     
http://www.hagalil.com/archiv/2010/02/02/klee  

 


Helferin von Anne Frank mit 100 Jahren gestorben

Liebe Freunde, 

mit großer Trauer habe ich heute morgen vom Tod Miep Gies erfahren. Sie starb am 11. Januar 2010 im Alter von 100 Jahren in ihrem Wohnort Hoorn. Meine Begegnungen mit ihr in Berlin und Amsterdam haben mich immer bestärkt, dass jeder Mensch Courage zeigen kann und muss. Sie selbst sagte immer, dass sie keine Heldin war:  'Ich habe getan, was ich tun musste. Punkt aus.'

Ich wünsche mir, dass das Gedenken an Miep Gies, weiter viele Menschen zu aktiver Menschlichkeit motiviert. Miep Gies war für Anne Frank, ihre Familie und die weiteren Untergetauchten Beschützerin, Ernährerin und oft auch Trösterin. Es ist aus meiner Sicht viel zu unbekannt, dass Miep Gies nicht nur zwischen 1942 und 1944 in dem Amsterdamer Hinterhaus die Eingeschlossenen versorgte, sondern auch nach der Verhaftung im Gestapo-Hauptquartier versuchte, alle zu retten. Mit ihrem Mann arbeitete sie aktiv im Widerstand. Nur durch ihrem - für sie wohl kleinen, selbstverständlichen - Schritt gemeinsam mit Bep Voskujil die Tagebücher von Anne Frank in ihrem Schreibtisch zu verstecken, konnte Otto Frank das Tagebuch veröffentlichen.  Das Untertauchen, der Verrat, die Deportation der Untergetauchten in Vernichtungslager und der Tod von sieben der acht Verfolgten hinterließen bei Miep Gies tiefe Wunden. Diese Ereignisse, die Veröffentlichung des Tagebuchs der Anne Frank und die Eröffnung des Hinterhauses als Museum haben ihr weiteres Leben zu einem wesentlichen Teil bestimmt. Wir werden Ihr Andenken in Ehren halten, unsere Gedanken sind bei ihrem Sohn und ihren Enkelkindern. 

Im Anne Frank Zentrum ist ein Kondolenzbuch ausgelegt.
 (Anne Frank Zentrum: Die virtuelle Ausstellung. Ein 3D-Rundgang.)
Es gibt aber auch online unter www.annefrank.de die Möglichkeit, Beileid auszusprechen. Das Anne Frank Zentrum wird am kommenden Sonntag (17. Januar 2010) um 11 Uhr in einer kleinen Matinee an Miep Gies erinnern. Dabei wird auch der Film über Sie "Meine Zeit mit Anne Frank" gezeigt.
 

Mit bewegter Trauer 

Thomas Heppener

-Direktor- 

Anne-Frank-Zentrum Berlin

http://antifa.sfa.over-blog.com/article-briefe-von-miep-gies-43213790.html 

http://www.miepgies.nl/miepgies.html

  
  

Die Helferin von Anne Frank und Retterin ihres weltberühmten Tagebuchs ist tot. Die in Österreich geborene Wahl-Holländerin Miep Gies sei am Montagabend in einem niederländischen Pflegeheim einer kurzen Krankheit erlegen, teilte ihr Sohn Paul Gies mit. Im nächsten Monat (15. Februar) wäre sie 101 Jahre alt geworden.  

Sie war die letzte noch lebende Helferin der jüdischen Familie Frank, die sich im Zweiten Weltkrieg in einem Amsterdamer Hinterhaus versteckt hatte bis sie verraten und von den Nazis in Konzentrationslager deportiert wurde. Unter ständiger Lebensgefahr hatte Gies die Franks und weitere versteckte Juden versorgt.     

Gies nahm das Tagebuch an sich

Die am 15. Februar 1909 als Hermine Santrouschitz in Wien geborene Helferin bewahrte das Tagebuch, das Anne von 1942 bis 1944 als junges Mädchen im Hinterhaus in der Prinsengracht 263 geschrieben hatte, vor dem Zugriff der Gestapo. Nur Stunden nach der Verhaftung der Franks ging Gies am 4. August 1944 noch einmal in das Versteck und nahm die Aufzeichnungen an sich.

Ein einziger Überlebender

Anne Frank starb Anfang März 1945 im Konzentrationslager Bergen-Belsen an Typhus - kurz vor ihrem 16. Geburtstag und nur wenige Wochen vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Nach dem Krieg übergab Miep Gies das Tagebuch an Anne Franks Vater Otto, der als einziges Familienmitglied den Holocaust überlebte. Er sorgte Jahre später für die Veröffentlichung der Aufzeichnungen seiner Tochter, die seitdem immer wieder Menschen in aller Welt tief bewegen.  

"Miep schleppt wie ein Packesel"

Über die Helferin hatte Anne Frank am 11. Juli 1943 in ihr Tagebuch geschrieben: "Miep schleppt sich ab wie ein Packesel. Fast jeden Tag treibt sie irgendwo Gemüse auf und bringt es in großen Einkaufstaschen auf dem Fahrrad mit. Sie ist es auch, die jeden Samstag fünf Bücher aus der Bibliothek bringt. Sehnsüchtig warten wir immer auf den Samstag, weil dann die Bücher kommen, wie kleine Kinder auf ein Geschenk."Helferin vielfach ausgezeichnet Gies wurde vielfach geehrt - unter anderem durch den Staat Israel, mit dem niederländischen Ritterorden von Oranien-Nassau sowie mit dem Bundesverdienstkreuz I. Klasse. Im Oktober vergangenen Jahres benannte die Internationale Astronomische Union einen Asteroiden nach Miep Gies.Glückwünsche aus aller Welt Die 100-Jährige lebte seit einiger Zeit zurückgezogen in ihrem Haus in der niederländischen Provinz Friesland, zuletzt jedoch in einem Pflegeheim. Zu ihrem letzten Geburtstag hatte sie Grüße und Glückwünsche aus allen Teilen der Welt bekommen. Bis ins hohe Alter berichtete sie immer wieder bei öffentlichen Auftritten über ihre Erlebnisse mit Anne Frank und die Verfolgung der Juden in den Niederlanden durch die deutschen Besatzer. 

12. Januar 2010

©Quelle: dpa

 

In Gedenken an Anne Franks 80. Geburtstag am 12. Juni 2009: Festakt im Deutschen Theater Berlin

http://www.hagalil.com/archiv/2009/07/16/festakt    
 

Termine - Hannover Kunst
  
  

  http://antifa.sfa.over-blog.com/article-36495863.html  

 

 

 

 

 http://antifa.sfa.over-blog.com/article-anne-frank-tage-13-11-2009-15-30-38602545.html

 

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Anne Franks ewige beste Freundin

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Sie waren beste Freundinnen, spielten zusammen, quatschten über Jungs: Hannah Goslar und Anne Frank. Nach ihrer Deportation trafen sie im KZ Bergen-Belsen ein letztes Mal aufeinander - wenige Tage vor Annes Tod. Heute trägt Hannah ihre Geschichte in die Welt. 

 Weitere Informationen und eine gute "Fotostrecke" finden Sie in der Rubrik "Zweiter Weltkrieg" von Spiegel Online

   

Ein Gedicht wird zum Symbol:
ESPENBAUM oder: DAS BELSEN-BÄUMCHEN

©Von Heide Kramer

Im Rahmen eines Internationalen Jugend-Work-Camps errichteten im Jahre 1996 Schülerinnen und Schüler (Klasse 11) einer Freien Waldorfschule in Bomlitz/Niedersachsen auf dem Gelände der Gedenkstätte Bergen-Belsen ein kleines Baummonument. Es wies mit seinem Wurzelgebilde himmelwärts und symbolisierte Chaos, Vernichtung und Gewalt. Auf den Baumstamm wurde ein Gedicht des Lyrikers Paul Celan geschrieben: ESPENBAUM.

Durch die Neugestaltung http://www.bergenbelsen.de/de/neugestaltung der Gedenkstätte Bergen-Belsen und der dadurch entstandenen baulichen Maßnahmen wurde auch das kleine Baummonument Opfer der Umstrukturierungen und von seinem Standort entfernt. Mit dieser als kompromisslos und unsensibel empfundenen Aktion ist die Ära der engagierten Jugendarbeit und -kultur auf dem Gelände Bergen-Belsen zu Ende gegangen.

Paul Celan

Der 1920 in Czernowitz/Bukowina geborene deutsch-jüdische Paul Antschel (Ancel) schließt sich 1934/35 ohne Wissen oder Einverständnis seiner Eltern einer illegalen kommunistischen Jugendorganisation an, die eine "rote Schülerzeitschrift" in rumänischer Sprache herausgibt. Diese Aktivitäten verdeutlichen ein frühes politisches und soziales Engagement des jungen Mannes. Nach dem Abitur im Jahre 1938 entschließt sich Paul Antschel an der Universität von Tours/Frankreich für ein Medizinstudium. Er kehrt 1939 nach Czernowitz zurück und nimmt im September an der Universität Czernowitz ein Romanistikstudium auf. Durch den Überfall der deutschen Wehrmacht auf die Sowjetunion im Juni 1941 wird auch Antschel mit den Gräueltaten der Faschisten, aber ebenso durch die Besetzung der Bukowina durch die Rote Armee konfrontiert. Er wird in das 1941 eingerichtete Ghetto von Czernowitz eingewiesen und später dem Zwangsarbeitslager bei Buzau in der südlichen Moldau überstellt. Seine Eltern fallen 1942 dem Massenmord an den Juden zum Opfer. Ab 1944 studiert Paul Antschel Anglistik in Czernowitz. In diesem Jahr entstehen Gedichtsammlungen. Seine Veröffentlichungen erscheinen erstmals 1947 unter dem Pseudonym Paul Celan. Ende 1947 emigriert Celan nach Wien und nimmt 1948 seinen Wohnsitz in Frankreich/Paris.

Seine traumatischen Erfahrungen bleiben Celan zeitlebens gegenwärtig und bilden schließlich das Zentrum seines gesamten literarischen Werks.

1970 begeht Paul Celan nach einem unruhigen depressiven Leben in Paris Selbstmord.

ESPENBAUM ist vermutlich in der Übersiedlungsphase von Czernowitz nach Bukarest (1944) entstanden:

ESPENBAUM,

dein Laub blickt weiß ins Dunkel.

Meiner Mutter Haar ward nimmer weiß.

Löwenzahn, so grün ist die Ukraine.

Meine blonde Mutter kam nicht heim.

Regenwolke, säumst du an den Brunnen?

Meine leise Mutter weint für alle.

Runder Stern, du schlingst die goldne Schleife.

Meiner Mutter Herz ward wund von Blei.

Eichne Tür, wer hob dich aus den Angeln?

Meine sanfte Mutter kann nicht kommen.

Bergen-Belsen im August 1997

Ich habe das von den Schülerinnen und Schülern der Freien Waldorfschule in Bomlitz/Niedersachsen aufgestellte Baummonument im Sommer 1997 auf dem Gelände der Gedenkstätte Bergen-Belsen als künstlerische Impression umgesetzt.

Eine hauptsächlich am Projekt beteiligte Schülerin erläuterte mir in einem Brief die Beweggründe zur Entstehung des Baummonuments:

"Es hat uns die größte Freude bereitet, dass dieses Monument, in das wir unsere Gefühle, die wir bei dem Work-Camp in Bergen-Belsen gehabt haben, Sie dazu inspirierte, es zu malen. Dass die Menschen dieses Monument anerkannt haben, war und ist uns sehr wichtig. Angeregt haben uns die Ausgrabungen und die gefundenen Gegenstände in Bergen-Belsen während des Work-Camps.
Während der Arbeiten am Gelände wurden häufig einige Bäume abgesägt, eine Freundin und ich hatten die Idee, um diesem Baum noch einen sinnvollen Zweck zu geben, Namen von Opfern aus Bergen-Belsen auf den Stamm zu schreiben. Zwei weitere Personen hatten zuvor die Idee, eine Skulptur zu errichten. Und so vereinigten sich unsere Ideen und ergaben dieses Monument. Als wir diesen Baumstamm fanden, sahen wir in ihm das Ausgetrocknete, Leblose und Gequälte, wie es den Häftlingen ergangen war. Das Gedicht Paul Celans 'Espenbaum' wählten wir zu allererst, da der Ausdruck des Gedichtes wieder zu finden war im Ausdruck des Baumes.
Auf die Idee, die Wurzeln in den Himmel ragen zu lassen, kamen wir, da in dem Gedicht zu lesen ist "Eichne Tür wer hob dich aus den Angeln". Dieses fatale, verrückte, unmenschliche Regime sollte deutlich werden. Es wird in dem Gedicht das Gedenken an die Opfer ausgesprochen in dem Satz "Meine leise Mutter weint für alle".
Die Scherben in dem Baumstamm sollten die unheilbaren Wunden symbolisieren, die die Menschen heute niemals vergessen dürfen.
"Wenn die Menschen schweigen, werden Steine schreien". -- Dieses Zitat bewegte uns dazu, Steine an das Monument zu legen und den großen Stein als Verdeutlichung unter das Monument zu legen. Die Steine legten wir nur in einem Halbkreis um das Monument. Später sah ich, dass der Kreis geschlossen worden war. Besucher hatten, nach jüdischem Brauch, Steine nieder gelegt, um der Opfer zu gedenken".
(Mithra Zargari, Schülerin der Klasse 11, Freie Waldorfschule Bomlitz/Niedersachsen, 31. November 1997).

Auszug aus einem Brief von ©Mithra Zargari, Wohlendorf/Niedersachsen, 1997.

Textbeitrag: ©Heide Kramer, Hannover, August 2007.

Künstlerische Impression (Mischtechnik, Privatbesitz) "Espenbaum oder Das Belsen-Bäumchen": ©Heide Kramer, August 1997.

Quelle: ©Rowohlt Taschenbuch Verlag (Rowohlts Monographien "rororo"), "Paul Celan", dargestellt von ©Wolfgang Emmerich.

Siehe: http://www.hagalil.com/archiv/2007/07/espenbaum.htm

©Heide Kramer, Hannover. November 2008.

 19. März 1945:
Die Hölle von Bergen Belsen
"Auschwitz war die organisierte Hölle, Bergen Belsen ist die Hölle ohne Gnade." Die das sagt, kennt beide Lager: Lin Jadalti ist holländische Jüdin und Freundin von Anne Frank...

Die Lager und Gedenkstätten:

Bergen-Belsen, bei Celle, Niedersachsen
Lager vor allem für jüdische Häftlinge; eingerichtet im April 1943 als »Aufenthaltslager« für Personen, die gegen deutsche Staatsbürger in alliierten Ländern ausgetauscht werden sollten, aber nur wenige »Austauschjuden« wurden wirklich freigelassen, teilweise wurden sie nach Auschwitz deportiert und dort ermordet...

 


 

 

 

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Inschrift für Jacob Blumenfeld
Jüdischer Friedhof "An der Strangriede" in Hannover-Nordstadt

©Von Heide Kramer, Hannover

 

 

 

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Gespräch mit Buddy Elias

Am 3. November 2006 wurde um 13.00 Uhr die neue ständige Ausstellung "Anne Frank. hier & heute" in den Räumen des Anne-Frank-Zentrums in Berlin-Mitte feierlich eröffnet. Unter den Ehrengästen befanden sich unter anderem Anne Franks Cousin Buddy Elias aus der Schweiz sowie Anne Franks Freundinnen Hannah Pick-Goslar aus Israel und Barbara Rodbell aus den USA .

 


 

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