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Mono-Oper von Grigori Frid
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"Das Tagebuch der Anne Frank" - Mono-Oper von Grigori Frid

Am 22. Februar 2003 erlebte ich im "KinderMusikTheater" der Deutschen Oper Berlin die Premiere der Oper "Das Tagebuch der Anne Frank".

Beschreibung der Szene "Traum" (Nach der Tagebucheintragung vom 27. November 1943, an die Freundin Hannah Goslar gerichtet):

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LERNEN AUS DER GESCHICHTE - Nationalsozialismus und Holocaust in Schule und Jugendarbeit
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Stand: August 2010

 

 

Ein Bild für Hannah

Anne Franks Freundin Hannah Goslar bekommt mein Bild
Titel des Bildes "Die Freundinnen Hanne, Sanne, Anne und das Moortje

3. Juli 1999: Hotel "Savoy" in Berlin, Fasanenstraße 9

Anne Franks Freundin Hannah Goslar erhält mein Aquarell: 

"Die Freundinnen Hanne, Sanne, Anne und das Moortje"   

Von ©Heide Kramer, Hannover 

 

Aus Anne Franks Brief, den sie kurz nach Ostern 1942 nach Basel schickte: 

 "Sanne (SUSANNE LEDERMANN) ist so wie ich verrückt nach Moortje. So heißt unsere Katze, die wir seit einem halben Jahr haben. Sie ist ein Weibchen und ich hoffe bald auf Kinder, da sie im Augenblick viele Männer trifft."

(Quelle: ©Melissa Müller: "Das Mädchen Anne Frank. Die Biographie", 1998)

Image

"Die Freundinnen Hanne, Sanne, Anne und das
Moortje". Aquarell von ©Heide Kramer. April 1999.


 

Es war mein langgehegter Plan, für die beste Freundin Anne Franks aus der Amsterdamer Emigration eine künstlerische Impression zu erarbeiten. Hannah Elisabeth Pick, geborene Goslar, von Anne in ihrem Tagebuch "Hanne", Hanneli" oder auch "Lies Goosens" genannt, wurde am 12. November 1928 in Berlin geboren und lebt seit 1947 in Jerusalem. Der Wunsch, Hannah mein Aquarell persönlich auszuhändigen, sollte sich realisieren.

 

"Wer uns zusammen sah, sagte immer: "Da laufen Anne, Hanne und Sanne"

Diese Notiz aus Anne Franks Tagebuch vom 14. Juni 1942 brachte mich auf die Idee, meinen künstlerischen Experimentiergeist herauszufordern. Doch bevor ich das praktizierte, stellte ich mir selbstkritisch die Frage, ob meine eigenen Möglichkeiten ausreichen würden, den Satz Anne Franks bildnerisch so aussagekräftig zu gestalten, um die Menschen zu interessieren und neugierig zu machen.

Ich stellte mir vor, wie sich das Zusammensein dieser Kinder abgespielt haben könnte: Drei junge Mädchen erfreuen sich ihres Lebens, was an und für sich nichts Außergewöhnliches ist. Doch hier lief es anders: Diesen Mädchen stand die Lebensfreude nicht zu. Ihr Leben war nicht gefragt, es hing am seidenen Faden, vielmehr wurde danach getrachtet, es auszulöschen.

Ernste Gedanken machten sich in der Amsterdamer Emigration die Mädchen Hannah Goslar, Susanne Ledermann (1) und Anne Frank vorläufig nicht. Ihren im Jahre 1933 vor den Nationalsozialisten aus Deutschland geflohenen Eltern war es bislang gelungen, den Kindern ein sorgloses Leben zu bieten und die politischen Ereignisse von ihnen fernzuhalten. Diese Mädchen gingen ganz normal zur Schule, sie pflegten Freundschaften, Kontakte, Interessen.

Als jedoch am 10. Mai 1940 die Deutsche Wehrmacht die Niederlande überfiel, blieb auch den herangewachsenen Freundinnen nicht mehr alles verborgen. Sie wussten inzwischen sehr gut, was der gelbe Stern bedeutete, der ihnen und unzähligen anderen Menschen angeheftet worden war.

Mein Bild sollte aber ausschließlich der fröhlichen Notiz Anne Franks entsprechen und auch so verstanden werden. Die genannten Aspekte führten endlich zu dem Aquarell "Die Freundinnen Hanne, Sanne, Anne und das Moortje".

Welche Rolle spielt "Moortje"?

 "Moortje" war Annes Lebensinhalt und bestimmte ihre Tagesabläufe. Anne Frank dokumentierte ihre "Moortje" intensiv, sodass ich entschied: Die Katze darf auf meinem Bild nicht fehlen. So belegen auch Autorinnen und Autoren die Existenz der "Moortje", wie zum Beispiel Ernst Schnabel in "Anne Frank - Spur eines Kindes", Alison Leslie Gold in "Erinnerungen an Anne Frank" oder Miep Gies in "Meine Zeit mit Anne Frank". Die kleine schwarze Katze "Moortje" gehörte zu Anne, wurde heiß geliebt und im Versteck in der Prinsengracht bitter vermisst. Anne schrieb am 12. Juli 1942: "Moortje ist mein weicher und schwacher Punkt. Ich vermisse sie jede Minute, und niemand weiß, wie oft ich an sie denke". Die Notwendigkeit gebot, die Katze zurückzulassen. (Wie wir heute wissen, gelang es, "Moortje" bei Annes Freundin Toosje (in der Nachbarschaft) sicher unterzubringen. Die Katze überstand den Krieg.)

Die Übergabe

Der 3. Juli 1999 steht nun für die persönliche Übergabe meines Bildes an Hannah Pick. Sie ist derzeit Gast der Regionalen Arbeitsstelle für Ausländerfragen (RAA) in Strausberg, und so kann unser Zusammentreffen günstig eingerichtet werden.

Der 3. Juli fällt auf einen Sonnabend, ein Grund für die strenggläubige Hannah Pick, anlässlich der Schabbath-Feierlichkeiten vorübergehend nach Berlin überzusiedeln. Aber sie nimmt sich Zeit für mich, und wir verabreden 17.00 Uhr für das Treffen in ihrem Berliner Hotel, das sich nahe der Synagoge befindet.

Ich sitze im Gartenlokal des Hotels "Savoy" einer lebensnahen, klugen, aber auch humorvoll-charmanten Dame gegenüber. Hannah Pick ist seit längerem in mein Vorhaben eingeweiht, doch als sie mein Freundinnen-Aquarell entgegennimmt, werden Emotionen spürbar. Ich kenne ihre Biografie seit Jahrzehnten nicht allein aus Annes Tagebuch, sondern von Funk, Fernsehen, aufgezeichneten Gesprächen, ihr Gesicht ist mir von vielen Fotos vertraut. Hannah Pick nun aber wirklich gegenüberzusitzen, ist mir zunächst etwas unbegreiflich. Doch dieses Gefühl ist schnell überwunden. Sie ist sehr aufgeschlossen, aber wiederum distanziert und gefestigt. War diese letztgenannte Eigenschaft gar in jenen grauenvollen Zeiten eine schützende Hülle für die schutzlose Hannah? Ich erfahre, dass ihre im Jahre 1940 in Amsterdam geborene Schwester Gabi sich früher geschworen hat, niemals deutschen Boden zu betreten.

Das Schicksal

Hannah und Gabi Goslar litten mit zahllosen anderen Häftlingen im Konzentrationslager Bergen-Belsen. Anfang April 1945 entstand hier das Gerücht, das gesamte Lager würde nach Theresienstadt evakuiert werden. Es war jedoch kein Gerücht: Die Nazis beabsichtigten die Häftlinge loszuwerden, um die Verbrechen auf diese Weise zu vertuschen. Allein und auf sich gestellt, nachdem Eltern und Großeltern gestorben waren, traten die sechzehnjährige Hannah und ihre vierjährige Schwester Gabi gemeinsam mit unzähligen Häftlingen die Fahrt in Viehwaggons an. Noch kurz vorher konnte Hannah in Bergen-Belsen für ihre hier zufällig wiedergefundene Freundin Anne Frank sorgen, für deren Schwester Margot war es bereits zu spät.

Nach zahlreichen qualvollen, immer wieder durch Tiefflieger unterbrochenen Reisetagen im Viehwaggon, Angst und Tod als ständige Begleiter, befanden sich die am Leben gebliebenen Häftlinge unter den unmenschlichsten Bedingungen endlich in der kleinen brandenburgischen Gemeinde Tröbitz (Niederlausitz). Hier vollzog sich auf den Bahngleisen (2) für sie am 22. April 1945 die "Befreiung" durch die Rote Armee.

Mit von den Soldaten der Roten Armee versehenen Lebensmittelmarken landeten Hannah und Gabi Goslar im verlassenen Haus des Bürgermeisters der benachbarten Gemeinde Schilda. Dieses Haus bot den beiden Mädchen zwar zunächst eine Unterkunft, aber weder Schutz noch Obdach. Als Hannah sich zutiefst erschöpft in ein Bett legen wollte, entdeckte sie an den Wänden des Zimmers eine hellgrüne mit Hakenkreuzen gemusterte Tapete.

Anne Franks Vater Otto hatte nach seiner eigenen Befreiung aus Auschwitz vom Überleben der Schwestern Goslar erfahren. Er beschloss sich ihrer anzunehmen. Doch bevor dieses für ihn praktizierbar sein konnte, führte der Weg der beiden schwerkranken Mädchen durch Unterstützung des Roten Kreuzes zunächst in ein Lazarett nach Leipzig und anschließend in ein Krankenhaus nach Maastricht. Durch Otto Franks Einsatz gelang es später, die Mädchen zu Verwandten in die Schweiz einreisen zu lassen.

Impressionen

Etwas später setzt sich Hannah Picks fünfzehnjähriger Enkel "Raffi" (Rafael) zu uns in das Gartenlokal. Von ihren zehn Enkelkindern begleitet dieses Mal er seine Großmutter auf ihrer Reise. "Raffi" spricht mit Hannah Pick ausschließlich Hebräisch. "Er lernt jetzt auch gerade Englisch", erklärt sie mir, und ich habe den Eindruck, dass "Raffi" zunächst etwas skeptisch "die Lage" prüft. Sein Vater und Hannah Picks Schwiegersohn Shmuel Meir war stellvertretender Bürgermeister von Jerusalem, bevor er am 3. Dezember 1996 durch einen Autounfall tödlich verunglückte. Ich habe das Buch "Erinnerungen an Anne Frank" mitgenommen. Hannah hat es ihren Kindern und Enkeln, ihrem auf jene tragische Weise gestorbenen Schwiegersohn und Miep Gies, die Margot und Anne Frank beschützt hat, gewidmet.

Ich lenke bewusst das Thema nicht schwerpunktmäßig auf Anne Frank, denn es ist kein Zufall, dass mein Aquarell "die Freundin Hanne" zuerst benennt. Diese Arbeit soll eine Hommage an drei Kinder sein. Doch zwei der Mädchen in meinem Bild hatten den unausweichlichen Todesweg zu gehen: Sanne wurde 1944 in den Gaskammern von Auschwitz ermordet, Anne starb im März 1945 in Bergen-Belsen. Nur die im Bild dargestellte Hanne kam gerade soeben davon. Sie ist gezielt die Empfängerin meines Bildes.

Das Leben nach der Shoa

Hannah Goslar entschloss sich nach dem Krieg, in Israel Kinderkrankenschwester zu werden. Sie arbeitete in den darauffolgenden Jahren auch als Schul- und Sozialschwester an einer Beratungsstelle für Frauen, Mütter und Kinder. Aus dem eigenen Leid heraus ist ihr Bestreben gewachsen, auf der Seite der Schwächeren zu stehen und ihnen zu helfen. Sie heiratete und verwitwete. Gegenwärtig lebt sie allein ohne jedoch allein zu sein, denn sie praktiziert nach wie vor den Dienst an Menschen. Außerdem hat sie eine große Familie.

Eine andere wichtige Aufgabe sieht sie unverändert darin, Nachrichten an die Nachgeborenen zu senden. Dieses bleibt ihr ein ernstes Anliegen. Sie reist in die Welt, um mit Menschen zu reden, Vorträge zu halten und im Sinne des eigenen Erlebten ihre Botschaft mitzuteilen, auch im Sinne Margot und Anne Franks sowie aller Namenlosen, denen zu äußern es nicht vergönnt ist: Nie wieder Auschwitz !

Ausklang eines bedeutungsvollen Tages

Stunden voll intensiver Gespräche, Offenheit mit- und untereinander schaffen eine entsprechende Atmosphäre. Trotz schmerzender Knie möchte Hannah dennoch mit mir einen Spaziergang unternehmen. So gehen wir durch die abendlichen, sehr heißen belebten Straßen Berlins und haben eine Menge Themen, auch der an vielen Dingen äußerst interessierte "Raffi" ist dabei. Hannah Pick zeigt mir ferner, wo sich heute die Synagoge befindet: Sie ist seit Kriegsende in der ehemaligen Loge in einem Hinterhaus in der Joachimsthaler Straße beheimatet.

Um fast 21.00 Uhr begleite ich beide zurück zum Hotel "Savoy". Es ist mein eigener Wunsch noch mitzukommen. Hannah Pick ist damit einverstanden, und sie bittet mich in dem Zusammenhang um einige Handlungen, die strenggläubige Juden am Schabbath nicht ausführen dürfen. Auch hierin lerne ich eine Menge dazu. So werde ich in ihre Hotelräumlichkeiten eingeladen, und ich betrachte das als Ausklang eines für mich äußerst bedeutungsvollen Tages.

Im Zimmer betrachtet "Raffi" das "Freundinnen-Bild" intensiv und konstatiert, ihm sei aufgefallen, dass seine Großmutter Hannah da aussehe als sei sie viel älter als ihre Freundinnen Sanne und Anne, sie wirke wie eine Mutter, die sich um alle sorgt. Anne Frank dagegen komme ihm dagegen klein und kindlich vor. -- Hannah Pick gibt ihm recht und lächelt wehmütig: "Das stimmt, ich musste mich ja auch ständig um alle und alles wie eine Mutter kümmern!!"--- Anne Frank war ein halbes Jahr jünger als Hanne und Sanne und tatsächlich für ihr Alter klein und zart.

Bald darauf will "Raffi" von mir wissen, ob ich an Gott glaube, und da kehrt ganz plötzlich das Entsetzensgefühl zu mir zurück, das mich während meiner Exkursion nach Auschwitz im Oktober 1997 auf dem Gelände des Stammlagers I und in Birkenau überfallen hat. Die Antwort, die der ebenfalls strenggläubige "Raffi" von mir erwartet, kann ich ihm nicht unbefangen geben. Hannah blickt mich aufmerksam an, sie durchschaut wohl meine Gedanken und sagt: "Sicher, Gott hat sie alle dorthin gehen lassen..."---

Mir ist nicht entgangen, dass Hannah aufmerksam das hiesige Geschehen beobachtet, interessierte Fragen stellt und über alles sehr gut informiert ist. Außerdem hat sie ihre ehemalige Muttersprache durchaus nicht vergessen. Sind einige von Hannahs Wurzeln trotz der Entwurzelung in Deutschland verblieben?

Fragende Blicke auf ihre Kopfbedeckung (ein modischer Hut), die trotz kaum auszuhaltender Hitzegrade unverändert auf ihrem Kopf verbleibt, entgehen ihr nicht. Sie verrät den Grund: Es ist ein Ritual strenggläubiger jüdischer Frauen, und später sagt mir Hannah, in ihrem Falle bedeute das auch Würdigung für ihren zweiten verstorbenen, ebenfalls strenggläubigen Ehemann.

Für Hannah Pick gibt es eine verwandtschaftliche Verbindung nach Hannover. Ihr Vater Hans Goslar war Ministerialrat für Innere Angelegenheiten und Pressechef des Preußischen Kabinetts in Berlin bis zu seiner Emigration nach Holland in 1933. Hans Goslar wurde 1889 in Hannover geboren. 1894 zog die Familie nach Berlin. (Mehr zur Geschichte der Familie Goslar)

Als ich zu fortgeschrittener Stunde wieder in meiner Unterkunft bin, schaue ich mir in Ruhe Hannah Picks Geschenk an. Sie hatte mir das kleine Päckchen anfangs im Gartenrestaurant gegeben, und ich höre jetzt deutlich ihre Stimme: "Hoffentlich wird sie oft getragen!" Die silberne Anstecknadel ist die Replik einer Stahlskulptur, die der amerikanische Künstler Robert Indiana im Jahre 1978 kreierte und die dem Israel Museum in Jerusalem als Geschenk übereignet wurde. Das Monument demonstriert außerdem mit dem hebräischen Wort "Ahava" den Wunsch nach Frieden mit und in der Welt: Ahava heißt Liebe.

 

 

Nachtrag:

Im Sommer 2000 erfuhr ich von Frau Hannah Pick, dass sie einige Jahre zuvor im Rahmen einer Deutschland-Exkursion die Gemeinden Tröbitz und Schilda in Brandenburg (Niederlausitz) aufgesucht hatte. So auch die Tochter des im April 1945 amtierenden Bürgermeisters in Schilda (Frau H.). Frau Pick gab sich bei Frau H. als Überlebende vom Todeszug nach Theresienstadt und seinerzeit Zufluchtsuchende im Bürgermeisterhaus nach der Befreiung durch die Rote Armee im April 1945 zu erkennen.

Die in Schilda und in ihrem Elternhaus verbliebene Bürgermeistertochter Frau H.  erzählte Frau Pick, sie sei kurz vor Kriegsende nach Stendal evakuiert worden, und nachdem sie in ihr Haus zurückgekehrt sei, habe sie nicht allein dort entsetzliche Verwüstungen vorgefunden, sondern auch zahlreiche Gegenstände vermisst. Frau H. richtete in diesem Zusammenhang noch jetzt ihre Schuldzuweisungen unmittelbar auf Frau Pick und stellte sie als Diebin dar.

Erst nach dem Krieg ist bekannt geworden, dass nach dem Fortgang der Schwestern Hannah und Rachel (Gabi) Goslar in dem verlassenen Bürgermeisterhaus andere Flüchtlinge, befreite Häftlinge, befreite ukrainische Zwangsarbeiter aus einem nahen Zwangsarbeiterlager und versprengte Soldaten Obdach suchten und nach einiger Zeit weiterzogen. Frau Hannah Pick versuchte Frau H. zu erklären, dass sie und ihre Schwester sich lediglich ein paar Tage in dem Haus aufgehalten und beim Verlassen nichts an sich genommen hatten. Aber Frau H. blieb von dieser Aussage unberührt.

Sie hat sich übrigens konstant geweigert, Frau Pick die Hand zu geben.

Text: ©Heide Kramer, Hannover, Juli 1999. Aktualisiert: Juli 2009.


Aquarell von ©Heide Kramer. April 1999: "Die Freundinnen Hanne, Sanne, Anne und das Moortje".

Fotos: ©Archiv. Privatfotos: Mit freundlicher Genehmigung von ©Frau Hannah Pick, Jerusalem/Israel, 2007 und 2008.

Anmerkungen:

(1) SUSANNE LEDERMANN

Geboren am 8. Oktober 1928 als zweite Tochter des Rechtsanwalts Dr. Franz Ledermann und seiner Ehefrau Ilse in Berlin/Deutschland. Nach 1933 emigriert die Familie in die Niederlande/Amsterdam. Susanne ("Sanne") Ledermann, Hannah Goslar und Anne Frank lernen sich hier kennen und werden Freundinnen. Sanne Ledermann wird mit ihren Eltern am 20. Juni 1943 bei einer Großrazzia der Deutschen in Amsterdam unmittelbar aus ihrer Wohnung geholt. Die Menschen gelangen über das Judendurchgangslager Westerbork nach Auschwitz und werden dort 1944 ermordet. Susannes ältere Schwester Barbara kann nur deshalb entkommen, weil sie sich zu diesem Zeitpunkt bei ihrem Freund aufhält. Nach der Deportation der Eltern und der Schwester gelingt es Barbara, bei christlichen Freunden unterzutauchen. Nach 1945 emigriert Barbara Ledermann in die USA. Sie heiratet den Wissenschaftler und späteren Nobelpreisträger Martin Rodbell. Barbara Rodbell-Ledermann lebt inzwischen verwitwet noch heute in North Carolina/USA.

(2) Der von der Roten Armee am 22. April 1945 bei Tröbitz in Brandenburg befreite Todeszug ab Bergen-Belsen mit dem Ziel Theresienstadt ist unter der Bezeichnung "Der verlorene Zug" in die Geschichtsschreibung eingegangen.

 

Siehe:

http://www.hagalil.com/archiv/2008/06/hannah.htm


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Stand: August  2010


 

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©2. Januar 2008: Hochzeit von Rafael ("Raffi") und Yaela Meir in Jerusalem

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©2. Januar 2008: Hochzeit von Rafael ("Raffi") und Yaela Meir in Jerusalem

 

 

Hannah Pick im ©Anne-Frank-Zentrum Berlin, Juli 2007

 

 

 

 

 

 

 




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Eigene Betrachtungen zu den Schwestern Margot und Anne Frank
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Eigene Betrachtungen zu den Schwestern Margot und Anne Frank 

©Von Heide Kramer, Hannover


"Margot ist in der Schule immer "summa cum laude"", beurteilte Anne Frank in einer Tagebucheintragung ehrfürchtig ihre drei Jahre ältere Schwester. --- Trotz aller Bewunderung verwies Anne dennoch ihre Schwester Margot jahrzehntelang ungewollt in eine "Schattenecke". Denn Anne Frank hinterließ der Nachwelt mit ihren Tagebuchaufzeichnungen aus der Periode 1942 bis 1944 einen wichtigen Zeitzeugenbericht.

Nachweislich hat jedoch auch Margot Frank im Amsterdamer Versteck intensiv Tagebucheintragungen vorgenommen. Aber sie vollzog das unauffälliger. Niemand hat jemals diese Schriften lesen können, da Margots Dokumente in den Verhaftungs- und Plünderungswirren durch die Nazis verloren gingen. Sie blieben im Gegensatz zu Annes Papieren verschollen. Wenn nun auch das Tagebuch der Margot Frank hätte offeriert werden können? Bedauerlicherweise muss diese Frage unbeantwortet bleiben.

Margot --- ein Schatten neben der schillernden Anne -- 'nur' ein selbstverständliches Familienmitglied Frank? -- Weit gefehlt!

chwester, wird man schnell gewahr, dass Margot Frank keineswegs ein Schattendasein geführt hat. Bereits in Frankfurt am Main, wo sie am 16. Februar 1926 geboren wurde, gibt es Hinweise auf Margot. Sie ging hier seit 1932 in die Ludwig-Richter-Schule am Eschersheimer Lindenbaum.1) Frau Gertrud Trenz-Naumann, die erste Frankfurter Jugendfreundin der Kinder Frank wusste, dass sich ehemalige Mitschülerinnen an die in die Emigration gegangene Freundin Margot erinnerten.2)

Margot Frank, ein zurückhaltendes, sanftes, wunderschönes Kind mit ausdrucksvollen schwarzen Augen, fiel sofort durch ihre guten Leistungen in der Schule auf. Margot war eine beliebte Mitschülerin. Offensichtlich hatte Frau Edith Frank mit ihrer Erstgeborenen keine Schwierigkeiten. Das dokumentierte ein Babybuch, worin Edith sorgfältig ihre Beobachtungen zum Entwicklungsstand ihrer gehüteten kleinen Tochter festhielt. Aus der ersten Lebensphase der Kinder Frank in Frankfurt am Main existieren sehr anrührende Fotos, die vom Vater Otto aufgenommen wurden. Einige zeigen die dreijährige Margot, wie sie die am 12. Juni 1929 nachgeborene Schwester Annelies Marie umsorgt und beschützt. Die Nachbarskinder, darunter vorrangig die neunjährige Gertrud Naumann, spielten zunächst mit Margot, später wurde auch die kleine Schwester einbezogen.

Als die Familie Frank 1933 Deutschland verlassen musste, machte sich 'Omi Frank' aus der Ferne Sorgen um ihre Enkelkinder. 'Omi (Alice) Frank', die Mutter Otto Franks, lebte zu diesem Zeitpunkt bereits in der Schweiz. Sie äußerte angstvoll in einem Brief an die Frankfurter Freundin Gertrud Naumann, nun müssten die Kinder zwangsläufig eine neue Sprache erlernen und Margot hätte ja auch in eine neue Schule zu gehen. Was solle nur werden, sie seien doch noch so klein.3) Aber die Schwestern Frank bewältigten alles hervorragend. Die Eltern schickten Margot in das Städtische Mädchenlyzeum Amsterdam-Süd, das einen sehr guten Namen hatte. Auch Anne sollte in diese Schule gehen, doch die Schreckensherrschaft der Faschisten machte dieses Vorhaben zunichte.4) Anne besuchte dann Montessori-Kindergarten und -schule in Amsterdam-Süd. Da jüdischen Kindern der Schulbesuch "normaler" Schulen nach dem Einfall der Deutschen Wehrmacht am 10. Mai 1940 verboten wurde, wechselten Margot und Anne zwangsläufig in das Jüdische Lyzeum über. Inzwischen entwickelte sich Margot zur attraktiven Sechzehnjährigen. Die noch kindhafte Anne fühlte sich der älteren Schwester mit den nun ernsteren Interessen häufig unterlegen und von den Eltern benachteiligt. Aber Margot Frank durfte ihr Leben nicht auskosten. Ihr galt im Juli 1942 unverhofft ein Aufruf von der SS für einen "Arbeitseinsatz" nach Deutschland. In Wahrheit sollte sie einem Konzentrationslager überstellt werden. Edith und Otto Frank verließen ihre Wohnung am Merwedeplein und flüchteten unverzüglich mit den beiden Töchtern in das seit 1941 heimlich vorbereitete Versteck im Hinterhaus der Prinsengracht 263. Zunächst schien es, dass die lebenslustige Anne diese Umstrukturierung besser verkraften würde als ihre Schwester. Wie Anne Frank in ihrem Tagebuch berichtete, stand jedoch ihre Schwester Margot sehr bald unter dem psychischen Druck der gegebenen Realitäten. Ähnlich auch die Mutter. Edith und Margot zogen sich deprimiert in sich selbst zurück, Margot vergrub sich in Arbeit. Hatte sie vielleicht eher das Naturell ihrer Mutter, obgleich sie vom Äußeren dem Vater Otto ähnelte, während Anne ihrem Vater in vielen Wesenszügen glich? Im Gegensatz zu Anne wurde Margot von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen als diszipliniert charakterisiert: Ordentlich, systematisch auf ihre Arbeit konzentriert. Die lebhafte Anne war dagegen kaum zu bändigen und fast immer in Bewegung.

Doch allmählich fühlte sich Anne von den mit ihr im Versteck lebenden Mitgliedern unverstanden. Sie wusste zwar durchaus um die Hintergründe des Geschehens, war jedoch zu jung für die schrecklichen Belastungen, die für sie und die übrigen Eingesperrten zunehmend zur Lebensbedrohung wurden. Hinzu kam die sich allmählich entwickelte Zuneigung zu ihrem jugendlichen Mitbewohner Peter van Pels. Anne mag ihrerseits ihre Schwester Margot und auch die Eltern wohl ebenso häufig missverstanden haben. Sie schrieb aber in ihr Tagebuch, dass Margot im Laufe der Zeit offener wurde und auch für Scherze bereit. Vielleicht hätte sich Margot doch gern enger an Anne und Peter geschlossen obwohl sie dieses - entgegen Annes Vermutungen - widerrief? Im Versteck äußerte Margot einmal gegenüber ihrer Schwester den Berufswunsch, nach dem Krieg in Palästina Krankenschwester werden zu wollen, was Anne etwas herablassend kommentierte. Im Laufe der Zeit verbesserte sich vermutlich das Verhältnis der erwachsener werdenden Schwestern Frank.

Margot und Anne kamen nach ihrer Verhaftung am 4. August 1944 gemeinsam mit den Eltern und den anderen Mitbewohnern aus dem Hinterhausversteck zunächst in das Gestapogefängnis Amsterdam und von dort über das Durchgangslager Westerbork nach Auschwitz. Die Menschen wurden dort unmittelbar nach ihrer Ankunft voneinander getrennt. Der Vater Otto verblieb im Stammlager Auschwitz I. Die Mutter Edith geriet mit ihren Töchtern in das Frauenlager Auschwitz-Birkenau. Edith Frank umsorgte ihre Kinder bis zuletzt. Die Schwestern Frank wurden Ende Oktober 1944 mit weiteren Häftlingen von Auschwitz-Birkenau nach Bergen-Belsen deportiert. Edith Frank blieb allein in Auschwitz zurück und starb dort völlig vereinsamt am 6. Januar 1945. Otto Frank überlebte als einziger. Ihn befreite am 27. Januar 1945 in Auschwitz die Rote Armee. Er kehrte auf Umwegen in die Niederlande zurück und übersiedelte Anfang der fünfziger Jahre mit seiner zweiten Ehefrau Fritzi in die Schweiz. Die Mitbewohner aus dem Amsterdamer Hinterhausversteck (Familie van Pels mit dem Sohn Peter und der Zahnarzt Dr. Pfeffer) überlebten Konzentrationslager und Todesmarsch nicht. Im März 1945 gingen Margot und Anne Frank in Bergen-Belsen an den Folgen von Hunger, Kälte und Typhus elend zu Grunde. Anne starb einige Tage später als Margot. Mithäftlinge aus Bergen-Belsen, die zu Zeitzeugen geworden sind, haben überliefert, Anne sei am Tod ihrer Schwester Margot gestorben. Vielleicht aber hätte beide die Gewissheit vom Überleben des Vaters am Leben gehalten.

 

 

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Skizze: Gedenkstein für Anne Frank auf dem jüdischen Friedhof in Burg bei Magdeburg/Sachsen-Anhalt
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Skizze: Gedenkstein für Anne Frank auf dem jüdischen Friedhof in Burg bei Magdeburg/Sachsen-Anhalt

©Von Heide Kramer, Hannover

 

Im Juli 2000 wurde ich auf einen alten jüdischen Friedhof in Burg bei Magdeburg in Sachsen-Anhalt aufmerksam gemacht, dessen Existenz bis in das Jahr 1770 zurückgeht. Seine Grundbausubstanz blieb erhalten. Das 1760 qm große Friedhofsgelände mit ca. 50 Grabsteinen (wobei der älteste die Jahreszahl 1838 trägt) überstand die Verbrechen des Naziterrors.

Das Gebiet liegt eingefriedet auf einer Anhöhe dicht an der Verkehrsstraße und steht heute unter unter Denkmalschutz. Die liebevolle jahrzehntelange Bewirtschaftung des Besitzers einer benachbarten Gärtnerei (Herr Mittendorf) verhinderte den Verfall des Geländes.

Besonders beeindruckend war für mich die Information, dass jener alte jüdische Friedhof einen Gedenkstein für Anne Frank aufweist. Anlass für mich, die Stätte unmittelbar aufzusuchen und den Stein in meine künstlerischen Recherchen einzubeziehen. Die dort entstandene Tuschzeichnung überließ ich inzwischen Herrn Buddy Elias, dem in der Schweiz lebenden Cousin Anne Franks . 

Meiner Bitte, diesen Gedenkstein für Anne Frank "vor Ort" zeichnen zu dürfen, stand Herr Mittendorf sehr offen gegenüber. Er ermöglichte mir den Zugang zu dem ständig verschlossen gehaltenen Territorium. Durch Herrn Mittendorf erlebte ich außerdem eine individuelle einfühlsame Beschreibung dieser Stätte, was mir unvergessen bleiben wird. 

In dem Zusammenhang wurde ich gewahr, dass die Evangelische Kirchengemeinde "Unsere Lieben Frauen" in Burg bei Magdeburg (seinerzeit Deutsche Demokratische Republik) ca. Anfang der sechziger Jahre dieses Denkmal zu Ehren von Anne Frank errichten ließ.

 

 

 

 

Image

Jüdischer Friedhof in Burg bei Magdeburg/Sachsen-Anhalt:

Gedenkstein für Anne Frank
Kolorierte Bleistiftzeichnung von ©Heide Kramer, Hannover, August 2000

 

Die Inschrift des schlichten roten Granitsteines lautet:

Anne Frank
geb. 12. Juni 1929
gest. März 1945
  

Trotz allem hoffe ich -

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